Traditioneller Yang Stil vom Ursprungsort Yongnian

Helmuth Pfeffer mit seinem Lehrer, Großmeister

Yang ZhenHe

5. Generation Yang Stil vom Ursprungsort

Meister

Yang JianChao,

6. Generation Yang Stil vom Ursprungsort

Taiji-China-Reise(bericht) / Kapitel 8

REGEN IM GEMÜT

Sonntag, 28. August 2005

 

Wir trainieren seit sechs Uhr.

Um sieben Uhr ist die Hotellobbby heute bereits so voller Chinesen, dass wir teilweise Schwierigkeiten haben Meister Yang während der Taiji-Form nicht aus den Augen zu verlieren. Meister Yang allerdings sieht auch in dem ganzen Wirrwar noch meine Fehler und korrigiert sie sofort. Gestern waren all die Neuankömmlinge noch etwas erstaunt, uns Großnasen hier Taiji üben zu sehen. Heute ist es für sie offensichtlich schon so selbstverständlich, als wäre es das Normalste der Welt. Die jungen Chinesen begegnen uns ganz besonders aufgeschlossen, und immer freundlich lächelnd.   

Es regent !

Ein dichter Nebel umschließt die Berge. Und es ist, als wolle er sie mit seinem feuchten Hauch umarmen und liebkosen. Der Nebel dringt in jede Ritze, in jeden Spalt der Häuser. In unserem Zimmer ist es noch feuchter als in den vergangenen Tagen. Betten, Kleidungs-stücke und selbst die Kekse nehmen die feinen Wassertröpfchen in sich auf. Sie dringen bis in unsere Rucksäcke, bis in unser Gemüt.  

Wir sprechen nur noch das Nötigste, ziehen uns in uns selbst zurück. Jeder auf seine Weise.

Mir ist es, als würde ich dabei von außen nach innen sehen.

Mein Geist sucht in den verborgenen Winkeln meiner Seele nach Vergangenem und Zukünftigem. Er schreckt auf, zieht sich wieder zurück und beginnt seine Suche aufs Neue.

Hoffend, nicht das Heute zu finden. Noch ist es nicht soweit.

Erschrecken ja. Aber keine Qual heute. Frage mich, ob der Nebel dies alles auslöst. Die feuchte Wand wandert ins Tal und gibt uns und die Berge nur sehr langsam wieder aus ihrer Umarmung frei.

Es ist, als würde die Erde den Dunst in sich aufsaugen. Bin ich hier Gast bei der mystischen Vereinigung von Himmel und Erde? Wird ein Sonnenstrahl diesen gewaltigen Akt besiegeln wie schon vor abertausend Jahren?

Noch ist es nicht soweit. Die Göttin öffnet erneut ihren Schoß.

Reckt ihn dem Gott entgegen. Sie will überfließen. Mehr von seiner Feuchtigkeit aufnehmen, obwohl sie schon prall gefüllt ist.

Genug, genug ihr beiden. Habt Erbarmen mit uns Menschen !  

Haben heute Abend mit der 85er-Form begonnen. Mehr als den Ablauf werde ich nicht mehr aufnehmen können. Ich weiß, woran ich in der nächsten Zeit arbeiten muss.

Heute kam bei Meister Yang der chinesische Lehrer durch. Er wurde sehr laut und schimpfte fürchterlich. Was für eine Erfahrung !

Helmuth übersetzt weiterhin unermüdlch und ich bin ihm sehr dankbar dafür.

Wenn keine Erdrutsche den Weg aus den Bergen versperren, dann machen wir uns morgen auf den Weg nach Handan, Richtung Yongnian gelegen. Helmuth meint, ab morgen geht es bestimmt wieder aufwärts mit unseren Gemütszuständen. Bin mal gespannt !

Es regnet immer noch und ich stehe nach wie vor in jeder sich bietenden Pfütze, wie ein kleiner Wasserdrache. 

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