Traditioneller Yang Stil vom Ursprungsort Yongnian

Helmuth Pfeffer mit seinem Lehrer, Großmeister

Yang ZhenHe

5. Generation Yang Stil vom Ursprungsort

Meister

Yang JianChao,

6. Generation Yang Stil vom Ursprungsort

Taiji-China-Reise(bericht) / Kapitel 14

YIN & YANG / ARMUT UND ÜBERFLUSS

Samstag, 3. September 2005

 

Wir frühstücken um halb acht und treffen uns anschließend mit Meister Yang und Frau Li. Mit dem Bus fahren wir zu einer der neuen  Shoppingmeile in Beijings Stadtkern.

Als wir aussteigen sind wir von modernen Gebäuden umgeben, die in den Himmel zu wachsen scheinen. Hier standen einstmals die vielen kleinen, gemütlichen Häuschen (Hutongs), die noch das alte Beijing repräsentierten. Einige davon werden gerade abgerissen, um den Ungetümen aus Stahl und Beton zu weichen. Diejenigen, die noch bewohnt und benutzt werden, ducken sich ängstlich im Schatten der Riesen. Es scheint so, als schauten diese kalt und bedrohlich auf ihre kleinen Brüder und Schwestern herab.

Unaufhaltsam verrichten Bagger und Abrissbirnen ihr zerstörerisches Werk. Sie haben nicht einmal Zeit um ihre Geschichte zu erzählen.

In der Fußgängerzone trifft sich alles, was Geld und Macht in dieser Stadt hat. Mehrgeschossige Kaufhäuser reihen sich aneinander.

In ihrem Innern verbergen sich Schätze, die sich wohl nur ein Teil der Bevölkerung leisten kann. Die Verkäuferinnen und Verkäufer preisen ihre Waren an, umgarnen die Kunden wie Spinnen in ihrem Netz.

Nach fünf Kaufhäusern können und wollen wir nicht mehr. Helmuth und ich haben uns recht schöne Kurzarmhemden, mit chinesischen Verschlüssen gegönnt und tragen sie auch gleich. Wir hasten nun schon seit einigen Stunden durch eine Welt des Irrsinns.

Der Wahnsinn scheint sich unser bemächtigt zu haben, denn wir bestellen Pizza, bei Pizza-Hut. Es schmeckt hier allerdings genauso schlecht wie in Europa oder Amerika. Wir bezahlen für diesen Fraß am Ende fünfmal mehr als in einem der kleinen chinesichen Restaurents. Die Köche Beijings mögen Nachsicht mit uns üben. 

An unserem letzten Abend hier in Beijing, hier in China, besuchen Helmuth, Sabini und ich zum Abschied nochmals den Beihei-Park.

Die Stimmung ist eine völlig andere, als bei unserem ersten Besuch vor gut zwei Wochen, Frühmorgens. 

Auf den Dächern, aus den Büschen und aus unzähligen Verstecken tauchen immer mehr Katzen auf.  Viele von ihnen sitzen wie Statuen unbeweglich da. Es ist, als wüssten sie, dass der Park für heute bald geschlossen wird. Anschließend werden sie ihn in Besitz nehmen, wie in jeder Nacht. Ein Katzenreich inmitten einer tosenden Stadt. Völlig abgeschirmt durch Mauern, von Menschenhand vor langer Zeit erbaut. Wir nehmen Abschied von Beijing, betrachten den See mit seinen Weiden und sind dankbar für die Fülle, die uns während der vergangenen vierzehn Tage hier in China geschenkt wurde. 

Auf unserem Rückweg zum Hotel sehe ich eine alte Frau auf einem Müllhaufen sitzen, der sich bei genauerem hinsehen als ihre Habe entpuppt. Wie viele der Landflüchtlinge lebt sie auf der Straße.

Welch ein Kontrast, welch ein Irrsinn. Auf der einen Seite Fülle im Überfluss und jetzt tiefste Armut. Mir zieht es das Herz zusammen.

Bilder von gestern dringen in mein Bewusstsein. Auf der Fahrt ins Hotel sahen wir Männer unter Brücken und auf Gehwegen ihr Nachtlager aufschlagen. Sie strömen in die Stadt, um ein wenig vom Reichtum des Molochs abzubekommen. Schon gestern konnte ich den Anblick kaum ertragen. Und heute noch die alte Frau !

Nicht nur hier, sondern überall in den urbanen Ballungszentren dieser Welt das gleiche Bild.

Wie schaffen wir es, Armut, Kriege, Verfolgung und Ungerechtigkeit in diesen Ausmaßen zu ertragen?

Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für das Dach über meinem Kopf, für die warme Kleidung in meinem Schrank und mein tägliches Essen.  

Mir wird klar, dass wir alle eine alte Frau auf einem Müllhaufen am Straßenrand sein könnten.       

Taiji-China-Reise: Schlusswort

UNHEIMLICHE RUHE UND RÜCKKEHR

Sonntag, 4. September 2005 

 

Helmuth und ich sitzen etwas lustlos beim Frühstück. Wir freuen uns darauf nach Hause zu fliegen und dennoch sind wir auch sehr wehmütig. In zwei Taxis fahren Sabini und Helmuth jeweils mit Frau Li und ich mit Meister Yang zum Flughafen.

Ich mag diesen Mann, er ist mir in diesen zwei Wochen sehr ans Herz gewachsen, denn er hat mir eine Menge beigebracht, viel Neues gezeigt und mir auch einiges zum Nachdenken gegeben.

 

Im Flughafen herrscht das gleiche Gewusel wie schon bei unserer Ankunft. Um wieder ausreisen zu können, müssen wir noch einige wichtige Formulare ausfüllen. 

Dann verabschieden wir uns angemessen von Meister Yang und von Frau Li. Den kostbaren Taiji-Schnaps aus Yongnian, den uns Meister Yang extra noch besorgt und geschenkt hat, müssen Helmuth und ich bei der abschließenden Handgepäckkontrolle am Zoll wieder wortlos und recht unmissverständlich wieder abgeben.  

Mir blutet das Herz ! Ich mag diesen speziellen Hirseschnaps.

Sabini grinst uns beide mit ihrem breiten Lächeln an. Sie hat ihre wertvollen Flaschen nämlich nicht im Handgepäck verstaut, wie wir, sondern in ihrem Rucksack. Und dieser liegt bereits gut verstaut im Bauch unseres Flugzeuges. Sie verspricht mir, eine ihrer Flaschen zu überlassen. Dafür hätte ich sie fast geküsst !

 

Als wir nach gut elf Stunden Flug den Flieger in München wieder verlassen, fällt uns sofort auf, dass im Vergleich zu Beijing kaum Menschen im Flughafengebäude sind. Trotz Stimmengewirr und einiger Lautsprecherdurchsagen herrscht hier eine geradezu unheimliche Ruhe. Kein lautes Palaver, keine Spuckerei mehr, ok.

Wir sind wieder zu Hause !

 

Danke Meister Yang, danke Frau Li, danke Helmuth und Sabini. Danke Zhenwu. Danke China.

Und großen Dank an die Göttin für ihren Schutz während der Reise !

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