Taiji-China-Reise(bericht) / Kapitel 10

UNGEMACHTE BETTEN

Dienstag, 30. August 2005

 

Irgendwann bin ich eingeschlafen.

Als ich aufwache, schmerzen meine Gelenke, meine Knochen und meine Muskeln. Egal, denke ich, es ist ja eh Zeit zum Aufstehen. Der Blick auf meine Uhr versetzt mir einen Schock. Es ist null Uhr dreißig. Ich habe vielleicht eine Stunde geschlafen. Wie soll ich denn nur die nächsten sieben Stunden überstehen? Sabini und Helmuth liegen in einer seltsam verdrehten Stellung in ihren Sitzen und ich bin froh, dass sie noch atmen. Schlafen und wieder Wachsein wechseln sich ab. Ab und zu treffen sich Helmuths und meine gequälten Blicke. Wenigstens in Sabinis Gesicht erscheint ein Lächeln, das allerdings auch schon strahlender war. Frau Li schläft den Schlaf der Gerechten. Ich bewundere sie dafür. Meister Yang scheint irgendwie überhaupt nicht zu schlafen oder er ist immer genau dann wach, wenn ich wach bin.

 

Kurz vor Handan ordert er telefonisch ein Hotelzimmer für uns.

Vom Bahnhof aus erreichen wir das Hotel per Taxi. Es ist acht Uhr. Wir freuen uns auf eine Dusche und darauf, uns endlich auch wieder ausstrecken zu können. Wir sind verschwitzt und müde.

Die Gäste, die vor uns das Zimmer bewohnt haben, sind mit Sicherheit noch nicht all zu lange weg. Ungemachte Betten, Dreck auf dem Boden, benutzte Handtücher und Zahnbürsten im Bad.

Ich bin kurz davor verrückt zu werden, atme tief durch und trinke mit Helmuth erstmal einen Kaffee.

Wir gehen einkaufen und Sabini versucht einstweilen, es uns etwas gemütlich zu machen. Kaum sind wir zurück, erscheinen drei Zimmermädchen und bringen das Zimmer endlich in Ordnung. Meister Yangs Zimmer sieht ehrlich gesagt auch nicht besser aus. Er fragt uns, ob wir uns die Stadt ansehen wollen. Wir lehnen jedoch dankend ab und fallen erschöpft in die frisch gemachten Betten.         

 

Nach dreieinhalb Stunden weckt mich Helmuth. Ich bin noch total erschlagen und habe Kopfschmerzen.

Wir gehen Geld wechseln und danach mit Frau Li essen. Das Essen hier in Handan erscheint mir schmackhafter als in Wudang. Das karge Bergland bietet wohl nicht die selbe Fülle an Obst und Gemüse wie die Ebenen. Wir bestellen kleine gefüllte Teigtaschen, die hervorragend sind. Nur der Ladenbesitzer, der lautstark auf den Boden rotzt, stört mich. Gott sei Dank haben wir schon gegessen. 

Langsam geht mir das Gerotz auf die Nerven. Ich finde es ekelhaft.

 

Der heutige Unterricht findet um sechzehn Uhr statt, wieder im Hotel. Mitten im Hotelflur zwischen den Hoteletagen. In China übt man einfach überall dort, wo sich entsprechend Platz bietet.

Bald sind wir wieder umlagert von neugierigen Chinesen, die sich lautstark unterhalten oder in Ansätzen versuchen mit zu machen.

Den morgendlichen Unterricht um sechs Uhr Früh übernimmt Frau Li, da Meister Yang am Vormittag zu tun hat.   

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