In der Entstehungsgeschichte des Taijiquan spielten sowohl kulturelle als auch philosophische und gesellschaftliche Einflüsse eine große Rolle, womit sich nur sehr schwer weder eine genaue Gründungszeit, noch namentlich ein Gründer mit Sicherheit bestimmen und belegen lassen. Als einer der Mit-Begründer des Taijiquan gilt jedoch der daoistische Mönch Zhang SanFeng, der im 13. Jahrhundert in Wudang Shan, einem der heiligen Berge Chinas, lebte. Er entwickelte die sogenannten 13 Bewegungsformen des Taijiquan, welche auf dem Grundprinzip von Yin und Yang basieren. Alle hieraus entstanden Taiji-Stile orientieren sich auch heute noch nach wie vor an diesen Vorgaben.
Taijiquan vereint in sich Jahrhunderte alte, traditionelle Einsichten und Erfahrungen aus den Bereichen der Gesundheitsübung/Heilgymnastik, der Geistesschulung/Meditation und der Kampfkunst /Selbstverteidigung.
Die Taiji-Übungen fördern die Blutzirkulation und stärken das Nervensystem, die körpereigenen Selbstheilungskräfte werden aktiviert. Die Muskulatur und Sehnen werden elastischer, Verspannungen lösen sich und der Fluss der Lebensenergie „Qi“ wird positiv angeregt. Taijiquan regelmäßig geübt führt zu mehr innerer Ruhe, Ausgeglichenheit und einer besseren Konzentrationsfähigkeit. Die ruhigen und gleichmäßig fließenden Bewegungen der Taiji-Form wirken entspannend und ermöglichen eine meditative Geisteshaltung und erhöhen die Achtsamkeit. Durch das harmonische Zusammenwirken von Körper, Geist und Seele entsteht ein natürlicher Prozess der Selbstkultivierung und Selbsterkenntnis und steigert somit auch das Selbstbewusstsein.
In China gehört Taijiquan seit jeher zu den sogenannten „inneren“ Kampfkünsten, was sich wiederum in Anlehnung an das angewandte Yin-Yang–Prinzip in den Bewegungen und dem Einsatz der inneren Energie „Qi“ bezieht. In jeder einzelnen Position der Taiji-Form sind mehrere Selbstverteidigungstechniken enthalten. Das Wissen und Verständnis für die jeweiligen Anwendungsideen hilft dem Übenden, die Bewegungen klarer und bewusster auszuführen.